Interview mit der Künstlerin Tomoko Satô

Auch die in Japan geborene Malerin Tomoko Satô stellt im Oktober im Rahmen der Ausstellung „Tiefe Oberfläche – was man sieht, wie man sieht“ aus. Tomoko hat mir einige spannende Fragen beantwortet:

Du bist ja eigentlich Diplom-Kunstpädagogin. Wie bist du dazu gekommen, selbst als Künstlerin zu praktizieren?

Als gute Kunstlehrerin muss man sich nicht nur mit Kunstgeschichte, sondern auch mit den aktuellen Strömungen in der Kunstwelt auskennen. Als Studentin habe ich mich deshalb in meinen Ferien vor Ort besonders mit den europäischen Künstlern – von den alten Meistern bis zu Gegenwartskünstlern – auseinander gesetzt und dabei dann auch begonnen, selbst zu malen. Also durch die intensive Beschäftigung damit, hat sich bei mir der Wunsch entwickelt, selbst als Künstlerin zu arbeiten. Bis 2016 war ich Teilzeit Lehrerin und Künstlerin, aber danach habe ich entschieden, nur noch als Künstlerin zu arbeiten

Die Werke der aktuellen Ausstellung sind Ölgemälde. Hast du eigentlich immer gemalt, oder auch andere Medien ausprobiert?

Ich habe immer nur in Öl gemalt, zunächst Landschaften. Anfangs hatte ich gar keine großartigen Ideen oder Konzepte.  Ich habe einfach gemalt, was ich sehe. Diese Serien habe 2, 3 Jahre gemalt und war damit auch relativ erfolgreich in Japan.

Später kamen auch Interieurs und andere Motive hinzu. Aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl, das Potenzial der Ölfarben nicht ganz ausschöpfen zu können, was die leuchtende Farbigkeit, die Transparenz und den Glanz der Farbe betrifft, die den besonderen Charakter der Ölfarbe ja überhaupt ausmachen. Zunehmend faszinierten mich die Textilien der Figuren auf Gemälden der Renaissance und anderen europäischen Kunstepochen. Die Künstler der damaligen Zeit haben sich sehr viel Zeit für die Ausarbeitung dieser Gewänder genommen, da ja nicht irgendwelche Figuren, sondern Heilige dargestellt werden sollten. Der Faltenwurf und die Effekte von Licht und Schatten bei Textilien, sowie Glanz sind etwas, dass meiner Meinung nach die Wirkung der Ölfarbe besonders gut herausbringt.

Zunächst habe ich dann nach selbst aufgenommenen Fotos von europäischen Gemälden Ausschnitte der Textilien nachgemalt. Dann habe ich auch selbst Stoff gekauft und die Formen nachgebildet und dies dann gemalt.

Die Bilder der aktuellen Ausstellung sind  aber eher dunkel gehalten.

Genau, denn das ist meine Weiterentwicklung. Nachdem ich zwei, drei Jahre sehr starke Farben benutzt habe – wie gelb, rot, orange, grün – habe ich es wieder etwas ruhiger angehen lassen und eher in schwarz und grau gemalt. Auch die Faltenform habe ich reduziert. Denn den von mir erwünschten Effekt von Schatten und Licht lässt sich auch durch diese Reduktion abbilden.

Und die obere, helle Farbschicht durchbrichst du dann mit den Händen?

Ja, dazu bin ich ganz zufällig gekommen. Damals habe ich in Japan eine Ausstellung vorbereitet und das von mir gewünschte schmale Format war als Leinwand nicht zu bekommen, also habe ich mir schmale Holzpaneele als Bildträger bestellt. Dadurch malte ich zum ersten Mal auf Holz, was diesen Effekt überhaupt erst ermöglicht. Die oberste, transparente Schicht ist sehr flüssig. Als ich damals diese Aufgetragen hatte, überraschte mich eine kleine Mücke, die ich aus Reflex mit dem Finger vom Bildträger verscheuchen wollte. Die Spur meines Fingers in der Farbe hat mir gut gefallen. Ich möchte einen Transparenz- Effekt erzielen und die Finger- Spuren unterstreichen diese.

Also arbeitest du in Schichten. Wie genau funktioniert das?

Auf Holz zu arbeiten erfordert ein streng geregeltes Vorgehen in vielen Schichten: Zunächst muss ich dreimal Leim auftragen, dann folgt eine Grundierung aus Kreide und Leim. Nach 7-8 Mal streichen wird die Fläche dann geschliffen, bevor ich mit dem Malen beginne. Eigentlich ist meine Arbeit also lange sehr systematisch, doch zum Schluss kann ich das Bild durch meine Fingerspitzen frei vollenden. Diese letzte Schicht ist zwar die Oberfläche, erzeugt jedoch auch die Tiefe in meinen Bildern.

Anne-Marie Marker

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s