Ikebana in der Tenri Japanisch-Deutschen Kulturwerkstatt: Kadō – Der Weg der Blumen. Schönheit in Asymmetrie

Kadō – Der Weg der Blumen. Schönheit in Asymmetrie

Kultur ist das, was Menschen aus sich und ihrer Welt machen. In kulturellen Traditionen spiegelt sich immer die Denk- und Lebensweise der Menschen wider, welche sich mit ihr identifizieren.  Ikebana ist die traditionelle japanische Blumensteckkunst. Das Blumenstecken, dessen Wurzeln in religiösen buddhistischen Blumenopfern in Tempelanlagen liegen, wird mit Liebe zur Natur und mit Freude im Umgang mit den Pflanzen seit mehr als 600 Jahren praktiziert. Die starke Verbindung der Japaner zur Natur liegt im Zen-Buddhismus begründet, weswegen Ikabana auch als eine Form von Meditation erfahren werden kann. Im Ikebana wird zudem das Konzept von Natur als Quelle von Kreativität widergespiegelt: Zoka bedeutet Kreation und Transformation und wird mit der Kraft der Natur und des Universums in Verbindung gebracht​. Es beeinflusst auch heute noch das moderne Leben in Japan und spiegelt sich in Architektur, Kunst, Handwerk und vor allem in (traditionellen) Bräuchen wieder​.

Ikebana (japanisch 生け花) bedeutet wörtlich „lebende Blumen“ (ike lebend und bana Blume) und kann auch als Kadō (japanisch 角) „der Weg der Blumen“ verstanden werden. Im Letzteren spiegelt sich dessen Bedeutung als geistiger und ästhetischer Schulungsweg, welcher in Japan „dō“ genannt wird, wieder. Ikebana, oder Kadō, ist nämlich nur einer von vielen unterschiedlichen spirituellen und künstlerischen „Wegen“ in Japan: Teezeremonie (茶道 Sadô), Kalligraphie (書道 Shodô), Duftzeremonie (香道 Kôdô) und die Kampfkünste (武道 Budô) zählen ebenfalls dazu.

Bei dem Kurs, der am 03. Juli in der Tenri Kulturwerkstatt stattfand, zeigte Frau Akiko Kaneko, wie wir nach den Regeln der Ohara-Ikebana-Schule, Blumen, Zweige und Blätter in Harmonie zueinander in einer Schale arrangieren können. Der Moribana-Stil der Ohara-Schule, erfreut sich der größten Popularität im modernen Japan, was daran liegen mag, dass er viel weniger streng und formell, als zum Beispiel der Rikka-Stil, welcher direkt aus buddhistischen Opfergaben entspringt, ist. Die Form des Jiyuka gibt dem Künstler jedoch den größten kreativen Spielraum.

Die Auswahl der Blumen und Pflanzen ist je nach Jahreszeit unterschiedlich. Für den Kurs im Juli brachte Frau Akiko Kaneko eine Pflanzenauswahl für den Sommer mit: beispielsweise Beeren vom echten Johanniskraut, Muschelblumen und Zinnien. Zu Beginn führte uns Frau Kaneko in die Grundpinzipien des Ikebana ein und erklärte die spezifische Steckweise des Moribana, wonach sie uns zur Orientierung selbst ein Blumengesteck vorführte.

Das Hauptaugenmerk liegt beim Ikebana nicht bloß auf den Blüten, sondern auch Vase, Stängeln, Blättern und Zweigen wird der gleiche ästhetische Wert beigemessen. Gesteckt wird auf einer für den Moribana-Stil typischen flachen Keramikschale, der utsuwa. Da den Pflanzen so keine Stütze geboten wird, steckt man die Stängel auf einem Blumensteckigel, dem Kenzan. Mit Hilfe dessen können die sie in jede beliebige Richtung gedreht und gebogen werden. Gesteckt wird auf den drei Hauptlinien shin (真), soe (副) und tai (体), die Himmel, Erde und Menschheit symbolisieren. Weitere zusätzliche Äste oder Blüten, inmitten der Achsen dieser drei Linien, dienen lediglich zur Unterstützung der drei Hauptprinzipien. Die Pflanzenhöhe des shin beträgt circa 1,5 bis 3-mal der Länge + Breite der Moribana-Schale, soe 2/3 der Länge des shin und tai wiederum 2/3 der Höhe der soe (halbe Länge der shin). Diese und weitere Prinzipien werden anschaulich von Frau Kaneko erläutert.

Der Fokus liegt auf der dynamischen Anordnung der Blumen; der Asymmetrie in vorgegebenen Linien sozusagen. Die Blumen sollen ihr eigenes Wesen zum Ausdruck bringen, weswegen auch dem Leerraum zwischen ihnen ein ästhetischer Stellenwert beigemessen wird. Es geht um den bewussten Umgang mit der Natur und inneren Einklang mit sich selbst und der Umgebung. Anders als die prächtigen und üppigen Blumensträuße, die wir aus Deutschland kennen, verwendet man im Ikebana daher eher wenig Materialien. Bei der Kunst des Blumensteckens geht es vor allem nicht um das Anhäufen von Blumen in Vasen, sondern um künstlerische Gestaltung und die „innere Form nach festen Regeln einer geistigen Disziplin“ (Berke 1969: 12). Die drei Hauptlinien geben zudem auch die Blickrichtung auf die Vorderseite des fertigen Gestecks an. Ein Ikebana-Arrangement kann nicht wie ein Blumenstrauß von allen Seiten betrachtet werden.

Trotz des gleichen Pflanzenmaterials glich am Ende des Kurses kein fertiges Ikebana-Arrangement dem anderen. In jeder einzelnen ästhetischen Komposition entfaltet sich die individuelle Persönlichkeit, Stimmung, sowie die Präferenzen des Gestalters.  Man färbt das Gesteck, trotz der leitenden Regeln, sozusagen in seinen eigenen Farben. Diese kontemplative, meditative, und zudem auch wundervoll kreative Tätigkeit, bietet mit Sicherheit viel Entspannung, Spaß und jede Menge neuer Kraft für den Alltag.

Die Ikebana-Kurse finden in unregelmäßigen Zeitabständen immer samstags in der Tenri Japanisch-Deutschen Kulturwerkstatt statt.

Berke, Hubert (1969): Vorwort. In: Erste Deutsche Ikebana-Schle Köln (Hg.): Ikebana-Almanach. 1. Deutsche Ikebana Schule. Köln: Ostasiatischer Kunstverlag, S. 12–13.

TEEZEREMONIE – Ein kleiner Einblick in den Teeweg CHA-DÔ

Ende Juni 2021 fand das erste Mal seit Beginn des Lockdowns Anfang November 2020 in der Tenri Japanisch-Deutschen Kulturwerkstatt eine Teezeremonie unter Leitung von Teemeisterin Sôetsu MUKAI der Urasenke-Schule statt.

Zu Beginn wurden der Ablauf der Teezeremonie in Konstellation Gastgeber-Gast vorgeführt und einige geschichtliche Informationen vermittelt. Daher ist der Teezeremonie Kurs auch hervorragend für Anfänger geeignet, die einen ersten Eindruck gewinnen wollen. Im Anschluss konnten die Teilnehmer den MATCHA selbst ausprobieren zuzubereiten und die Falttechnik des seidenen Teetuches FUKUSA (袱紗) erlernen. Die Atmosphäre war sehr entspannend und angenehm; eine Art Meditation, würde ich sagen. In Japan wird die traditionelle Teezeremonie nämlich als Lebensart verstanden: Wörtlich heißt es CHADÔ = Teeweg und wird daher als geistiger und ästhetischer Schulungsweg („dô“) definiert.    

Schon das Arrangement des Zimmers als Nachbildung eines Raumes in einem traditionellen Teehaus erzeugt eine authentische Atmosphäre: Es setzt sich aus einer speziell für den Kurs aufgebauten Holzbühne mit Bambusstäben als Umbau und Tatami-Matten, auf denen man in Japan traditionellerweise kniet, zusammen. Auf der Bühne wurde in einer kleinen Nische (TOKONOMA 床の間) ein saisonales Blumenarrangement mit einer darüber aufgehängten Kalligraphierolle plaziert. Frau Sôetsu MUKAI trägt einen Kimono mit Blumenbemalung. 

Hier wird deutlich, dass uns die Teezeremonie Einblick in ein Stück Lebensphilosophie Japans geben kann: Spirituelle Werte und Fokus auf harmonischer Atmosphäre, ästhetische Werte, kulturelle Konventionen und Naturverbundenheit.

Meisterin Sôetsu MUKAI der URASENKE-Schule und ihre Assistentin erklärten alles detailliert und waren offen für Fragen. Die Zeremonie ist durch einen festgelegten Handlungsablauf bestimmt: Es geht nicht nur um das bloße Teezubereiten – das sich durch die Benutzung des Matchapulvers, von dem Teekochen, wie wir es normalerweise von Zuhause gewohnt sind, unterscheidet – sondern vielmehr spiegelt sich auch ein respektvolles und harmonisches Miteinander im Handlungsablauf wieder.

Um die Kunst der Teezeremonie, sagen wir mal ansatzweise „perfekt“ zu beherrschen, dauert es jedoch viele Jahre. Es reicht allerdings schon, sich einfach auf die Eindrücke einzulassen und sich nicht zu scheuen, Fehler zu machen, auch wenn man zunächst verunsichert sein mag. Das gilt auch dann, wenn es heißt sich über die Sprachbarriere hinweg zu trauen und ein paar für die Zeremonie notwendigen Begriffe und Sätze auf Japanisch mitzusprechen, wie beispielsweise: „O-temae chodai itashimasu“ (お点前ちょうだいいたします) – Herzlichen Dank für den Tee; „Osaki-ni“ (おさきに) -Entschuldigung, dass ich im Voraus trinke).

Im Ablauf erkennt man viele detaillierte Schritte mit ihrer jeweils eigenen Bedeutung. Zu Beginn wird die Teeschale symbolisch mit sauberem Wasser, das mit einer Bambuskelle aus einem Steinkessel entnommen wurde, gereinigt. Auch die anderen Utensilien werden symbolisch mit einem speziellen Tuch, dessen spezifische Faltweise und Handhabung vorgegeben ist, symbolisch gesäubert. Saisonale Süßigkeiten WAGASHI (和菓子) werden vor dem Tee gekostet. Die Matcha-Zubereitungen an sich, unterscheiden sich in ihrer Intensität und Bitterkeit des Grüntees voneinander: Hier kann jeder selbst testen, was ihm oder ihr am besten schmeckt.

Der Weg ist das Ziel: Das wird in diesem Kurs besonders deutlich. Aus dem Japanischen übersetzt heißt es nämlich nicht „Teezeremonie“, sondern „Teeweg“ (chadô , cha = Tee, dô= Weg) und hat mit wa-kei-sei-jaku (=Harmonie-Respekt-Reinheit-Stille) sogar eigene Leitsätze. Zudem kann das Prinzip des OMOTENASHI (おもてなし) – Japans fest verankerte Kultur von immenser Gastfreundlichkeit, welche ihren Ursprung in der traditionellen Teezeremonie hat – direkt erfahren werden. Die Teezeremonie bietet Entspannung vom Alltag und die Möglichkeit zur inneren Einkehr. Deshalb wird der Tee auch in stiller Atmosphäre anstatt im geselligen Austausch miteinander getrunken – was nicht heißt, dass überhaupt kein kommunikativer Austausch stattfindet, doch im Vordergrund liegt Harmonie, Respekt, Reinheit (im körperlichen wie geistigen Sinne) und die (innere, geistige) Stille.

Auch aufgrund der geringen Teilnehmeranzahl pro Kurs (meist beschränkt es sich auf zwei Personen, oder als Vorführung mit kleinem Publikum) ist es besonders für Anfänger eine wirklich schöne Erfahrung, die ich jedem nur ans Herz legen kann!

Manuela Grati

Innen und Außen – „Der Zweite Raum“ Hybridausstellung

Der Zweite Raum - Esser, Koana, Herrmann, Salden

Perspektivwechsel im doppelten Sinne: Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Ideen und vor allem besondere Unterstützung. Die Tenri Japanisch-Deutsche Kulturwerkstatt e.V. möchte während der Corona-Krise auch weiterhin für Künstler/-innen und ihre Ideen und Leidenschaft eine Plattform bieten. In Zeiten, in denen die Welt teilweise stillsteht, wollen wir die Kunst in so viele Räume wie möglich bringen. Das ist das Konzept unserer aktuellen Ausstellung „DerZweiteRaum“.

Wir möchten nicht nur die Werke unterschiedlicher Künstler zu einer Ausstellung in den Räumen unserer Kulturwerkstatt vereinen, sondern zusätzlich, durch die Inszenierung einiger Kunstwerke in eher ungewöhnlichen Ausstellungsräumen von vier Privatwohnzimmern, auf diese ein neues Licht werfen und eine neue Perspektive zulassen. Dies wurde auf unserer Website, Facebook- und und YouTube-Seite zusammen mit einem kleinen Rahmenprogramm online übertragen.

Wir sind überzeugt davon, dass jedes Kunstwerk auch eine Geschichte der Persönlichkeit; von Träumen und Hoffnungen, sowie Überzeugungen und der Leidenschaft des Künstlers erzählen kann und dem Betrachter neben dem artistischen Ausdruck, somit auch einen persönlichen Einblick gewährt.

Bei einem Rundgang durch die drei Ausstellungsräume der Tenri Japanisch-Deutschen Kulturwerkstatt fällt einem sofort die unglaubliche Dynamik auf, die diese Bilder in ihrer Beziehung zueinander erzeugen. Es steht kein gemeinsames Konzept dahinter und doch strahlt diese Inszenierung eine unglaubliche ineinanderfleißende Energie aus. Es entsteht ein dynamischer Raum aus farbenfrohen und abwechslungsreichen Motiven und Formen. Diese Dynamik erkennt man bei Marina Hermanns vielschichtigen Bildern: Sie sind aus Fotos architektonischer Elemente ,oder Zufalls-Ausschnitten des Alltags, sowie ihrer technischen oder lasierenden Übermalung entstanden und erzeugen mehrdimensionale Ebenen, die einen zweiten, intensiveren Blick des Betrachters nahezu erzwingen. Die gleiche Vielschichtigkeit ist auch bei den collageartigen Werken von Uwe Esser vorzufinden: Die farbenfrohen Bilder sind durch einen stark expressiven Stil gekennzeichnet und zeigen eine besondere Präsenz.

Nicht ganz so pulsierend, aber dennoch die gleiche Dynamik erzeugend, laden auf eine meditativ-energiegeladene Art und Weise die Kunstwerke von Keiko Koana und Marie-Luise Salden zum Betrachten ein. In ihnen ist vor allem die Präsenz des rauen Papiers noch deutlich spürbar. Keiko Koana wählte zudem eine mosaikartige Komposition ihrer Bilder zueinander, die sich auch im Format voneinander unterscheiden. Es sind in traditionell japanischer Technik mit Papier überspannte Holzkästen, beziehungsweise Rahmen, auf welchen sich – durch die Arbeit mit dünnflüssigem Aquarell- oder Acrylfarben – wie scheinbar von selbst die verschiedensten Farbverläufe herausgebildet haben.

Ein noch visuell stärkerer Japanbezug ist bei den Werken von Marie-Luise Salden zu erkennen. Sie präsentiert uns ein Ensemble aus traditionell japanischen Kunstformen: Farbholzschnitt, Papierschöpfungen (washi-e) und Kalligrafie. Die Natürlichkeit der von ihr verwendeten Materialien Holz und aus dessen Fasern eigens hergestellten Papiers ist für den Betrachter nahezu spürbar und verleiht ihrer Kunst eine tiefgründige und entspannende Aura.

Wir laden Sie herzlichst dazu ein, sich selbst einen Eindruck von unserer Ausstellung Der zweite Raum, durch unsere Onlineveröffentlichungen zu bilden und in diesen unsicheren Zeiten ein wenig Entspannung in der Kunst zu finden! 

Manuela Grati

Wunderschöne Harmonie

wie durch die Medien inzwischen weltweit bekannt, hat in Japan in diesem Jahr ein neuer Kaiser den Thron bestiegen. Mit dem Beginn der Regentschaft eines Kaisers bricht in Japan auch eine neue Ära an. Wir befinden uns nun in der Reiwa –Ära. Der Begriff „Reiwa“ stammte aus einem vormodernen Gedicht und wurde etwas vereinfacht  in den englischsprachigen Medien als „Beautiful Harmony“ übersetzt. Eben diese wunderschöne Harmonie der Landschaften Japans, hat die Foto-Künstlerin Sarai Ohira in ihren Fotografien im einen Teil der Ausstellung „Kamurogi + Kamuromi im 1. Jahr der Regentschaft Reiwa“ festgehalten. Stimmungsvoll gewählte Ausschnitte von Naturansichten  aller Tages- und Jahreszeiten, sowie Aufnahmen von Naturschauspielen, wie der Verdunklung des Himmels durch Sandstürme aus der Wüste Gobi ziehen so in ihren Bann.

Der größere Teil der Ausstellung im großen, und unteren Raum ist dem Konzept des Dualismus gewidmet, ein Konzept welches im Werk der Künstlern viel Präsenz zeigt. Kamurogi und Kamurogi, die ersten beiden Götter in der japanischen Mythologie und Titelgeber der Ausstellung, verkörpern für Sarai Ohira genau dieses Konzept.

Dualismus spielt eine große Rolle in unserer reellen, aber auch geistigen Umwelt. Uns begegnet sowohl in Kunst, Alltag, als auch in der Natur immer wieder das Zusammenspiel von Gegensätzen, wie Licht und Schatten oder Himmel und Erde. Die Fotografien wirken auf den ersten Blick sehr abstrakt, fast digital konstruiert. Es ist verblüffend, dass die Motive lediglich gespiegelt, vereinzelt auch mit Prismen, aber nicht nachbearbeitet wurden. Tatsächlich sind sogar Spiegelungen von Ansichten oder Objekten gezeigt, die wir aus unserem alltäglichen Leben kennen.

Das ursprüngliche Motiv ist erkennbar, indem man sich eine vertikale Halbierung vorstellt und es um 180 Grad dreht. So zum Beispiel die Spiegelung von Bäumen im Wasser. Das Wasser ist  dabei so klar, dass auch die grün überzogenen Steine auf dem Grund dieses Gewässers erkennbar sind.  Dadurch sind sowohl die Gegensätze Grund und Oberfläche, als auch Erde und Himmel in einer einzigen Fotografie vereint.

Neben dieser Auflösung ist es aber auch ausdrücklich von der Künstlerin erwünscht, sich eigene Eindrücke von der gesamten Komposition zu machen. So verwandelt sich die Waldlandschaft schnell zu einem Außerirdischen oder einer Waldameise.

Neben gewöhnlichem Papier werden einige Fotografien zudem auch auf handgeschöpftem Papier dargestellt, was dem Motiv durch die unebene Oberfläche erneut eine neue Wirkungsebene verleiht.

Gegensätzlichkeit ist zwar oftmals negativ konnotiert, durch Sarai Ohiras Werke wird jedoch deutlich, dass dadurch vor allem eine „wunderschöne Harmonie“ entsteht.

Die Ausstellung ist noch bis zum 13.08.2019 um 19 Uhr geöffnet.

Anne-Marie Marker

12.588 km

Durch die Globalisierung ist die Welt ein Stück zusammengewachsen und Wege, die früher unendlich weit erschienen, können heute sowohl physisch, als auch virtuell mit nur geringem Aufwand erreicht werden. Eines hat sich jedoch nicht geändert, das Gefühl an einem Ort zu Hause zu sein. Dieser Ort muss nun aber eben nicht mehr zwangsläufig dem Geburtsort, oder dem Ort an dem man aufgewachsen ist, entsprechen. 12.588 km ist nicht nur die Entfernung der beiden Partnerstädte Köln und Kyoto, sondern auch der Titel der aktuellen Ausstellung in der Tenri-Kulturwerkstatt.

Die große Installation der Ausstellung stellt die Frage, wo sich eben diese Heimat befindet. Heutzutage kann dieser irgendwo auf der Welt sein, an einem Ort, vielleicht aber auch an mehreren oder durch Rastlosigkeit auch nirgendwo so richtig. Vielleicht ja in Köln, vielleicht auch in Kyoto – das sind die Partnerstädte, aus denen die Künstler der Ausstellung stammen.

Das Kölner Künstlerduo Maik und Dirk Löbbert spricht diese „Verortung“ mit ihrem Beitrag zur Installation in fast konkreter Weise an. Durch rote Kreise im Raum zeigen sie uns unseren Standpunkt, bringen uns dazu, uns bewusst im Raum zu orientieren. Jetzt ist unser Standpunkt meist ein wandernder Punkt auf einer digitalen Karte, wenn wir die Orientierung verloren haben und diese mithilfe von GPS-Diensten wiederfinden möchten. Früher brauchte es mehr Geschick und Vorstellungskraft, um den eigenen geografischen Standpunkt zu ermitteln. Bei unserem Standpunkt bezüglich gesellschaftlichen oder politischen Themen kann es sich mitunter ebenso schwierig gestalten, wie mit einer unhandlichen Landkarte.

Die Gesamt-Installation aus einer anderen Perspektive

Satomi Edo stammte aus Kyoto, wohnt aber nun schon so lange in Deutschland, als dass sie beide Orte als ihre Heimat bezeichnen möchte. In ihrem Teil der Installation verbindet sie kleine Raumgebilde aus Quadern aus Holzleisten miteinander im großen Raum. Die Holzkonstruktionen entsprechen den dreidimensionalen Umrissen jener Wohnungen und Häuser, die ihr bisher eine Heimat waren. Zudem bindet sie auch den Flügel der TKW in die Installation ein, wodurch eine Verbindung zwischen Köln und Kyoto geschaffen wird, da das Instrument für ihr Elternhaus in Kyoto stehen soll. Dort gab es ebenfalls ein Klavier, welches in Edos Kindheit eine zentrale Rolle spielte.

Neben der Installation sind weitere Werke der Künstler zu betrachten, wie Fotografien von Maik und Dirk Löbbert sowie geometrische Grafiken von Edo. Die geografische Entfernung von 12.588 km mag zwar enorm weit klingen, doch womöglich sind unsere Standpunkte in mancher Hinsicht gar nicht so weit voneinander entfernt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 29.05.2019 bei uns zu sehen. Immer von Dienstag – Samstag, 13:00-19:00 Uhr haben wir für Sie geöffnet.

Anne-Marie Marker

Die Farben und Formen der Natur

Ende März füllten die Objekte des japanischen Meisters des Webens und Färbens  Akihiko Izukura eine Woche lang unsere Räume am Chlodwigplatz. So fantastisch die runden Formen wirkten, sind sie dennoch aus natürlichen Materialien entstanden. Einige konnten sogar betreten werden und wurden so zu einem ganz besonderen Raumerlebnis im Raum.

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Innere Kraft – Ausdrucksformen des „Nichts“

Unsere Ausstellung im Juni vergangenen Jahres trug den sehr offenen Titel „Innere Kraft“. Mit „Innerer Kraft“ haben wir den japanischen Begriff „shizen“ übersetzt. Tatsächlich gibt es keine direkte Übersetzung des Worts. Meistens wird der Begriff als „Natur“ übersetzt, es sind jedoch weniger Pflanzen und Tiere gemeint, als die Essenz oder die Natur der Dinge. Also eine  tiefere, natürliche Ebene. Maler Kiyoshi Shiraishi geht davon aus, dass es etwas Natürliches gibt, das frei von kultureller Prägung in jeder menschlichen Seele vorhanden ist, ohne dass uns dies bewusst ist.  Er versucht dieses Natürliche aus sich sprechen zu lassen und damit Kunst zu schaffen. Es geht also um einen tieferen Teil der Seele, der hier zum Vorschein kommt.

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Anabasi – Bilder aus Parallelwelten

Zum Jahresanfang widmen wir uns einem zugegebenermaßen eher dunklen Thema: In diesem Monat möchten wir Bilder aus Parallelwelten zeigen. Wir kennen diese Denkansätze, es ist jedoch in unserer Zeit üblicher, von einer schlechten, verbesserungswürdigen Ausgangssituation auszugehen, als sich die schlimmeren Szenarien vorzustellen, wie das im Werk der italienischen Künstlerin Federica Gastaldon der Fall ist. Ein wichtiger Unterschied zwischen diesen Gedanken von Utopie – also einer schöneren Welt und Distopie – einer schlimmeren Welt, und dem Konzept dieser Ausstellung ist, dass die Künstlerin nicht in der Zukunft denkt, also wie sich unsere Welt noch entwickeln könnte, sondern von dem Punkt ausgeht, als unsere Welt entstanden ist: Unsere Grundvoraussetzungen hätten ganz anders sein können. Es hätten sich von da aus beliebig viele andere Welten entwickeln können – ganz anders, als wir unseren Lebensraum kennen. Der Titel der Ausstellung Anabasi  leitet sich von dem griechischen Begriff für „Hinaufmarsch“ ab und soll eben jene Reise der menschlichen Existenz ins Ungewisse beschreiben.

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