Wunderschöne Harmonie

wie durch die Medien inzwischen weltweit bekannt, hat in Japan in diesem Jahr ein neuer Kaiser den Thron bestiegen. Mit dem Beginn der Regentschaft eines Kaisers bricht in Japan auch eine neue Ära an. Wir befinden uns nun in der Reiwa –Ära. Der Begriff „Reiwa“ stammte aus einem vormodernen Gedicht und wurde etwas vereinfacht  in den englischsprachigen Medien als „Beautiful Harmony“ übersetzt. Eben diese wunderschöne Harmonie der Landschaften Japans, hat die Foto-Künstlerin Sarai Ohira in ihren Fotografien im einen Teil der Ausstellung „Kamurogi + Kamuromi im 1. Jahr der Regentschaft Reiwa“ festgehalten. Stimmungsvoll gewählte Ausschnitte von Naturansichten  aller Tages- und Jahreszeiten, sowie Aufnahmen von Naturschauspielen, wie der Verdunklung des Himmels durch Sandstürme aus der Wüste Gobi ziehen so in ihren Bann.

Der größere Teil der Ausstellung im großen, und unteren Raum ist dem Konzept des Dualismus gewidmet, ein Konzept welches im Werk der Künstlern viel Präsenz zeigt. Kamurogi und Kamurogi, die ersten beiden Götter in der japanischen Mythologie und Titelgeber der Ausstellung, verkörpern für Sarai Ohira genau dieses Konzept.

Dualismus spielt eine große Rolle in unserer reellen, aber auch geistigen Umwelt. Uns begegnet sowohl in Kunst, Alltag, als auch in der Natur immer wieder das Zusammenspiel von Gegensätzen, wie Licht und Schatten oder Himmel und Erde. Die Fotografien wirken auf den ersten Blick sehr abstrakt, fast digital konstruiert. Es ist verblüffend, dass die Motive lediglich gespiegelt, vereinzelt auch mit Prismen, aber nicht nachbearbeitet wurden. Tatsächlich sind sogar Spiegelungen von Ansichten oder Objekten gezeigt, die wir aus unserem alltäglichen Leben kennen.

Das ursprüngliche Motiv ist erkennbar, indem man sich eine vertikale Halbierung vorstellt und es um 180 Grad dreht. So zum Beispiel die Spiegelung von Bäumen im Wasser. Das Wasser ist  dabei so klar, dass auch die grün überzogenen Steine auf dem Grund dieses Gewässers erkennbar sind.  Dadurch sind sowohl die Gegensätze Grund und Oberfläche, als auch Erde und Himmel in einer einzigen Fotografie vereint.

Neben dieser Auflösung ist es aber auch ausdrücklich von der Künstlerin erwünscht, sich eigene Eindrücke von der gesamten Komposition zu machen. So verwandelt sich die Waldlandschaft schnell zu einem Außerirdischen oder einer Waldameise.

Neben gewöhnlichem Papier werden einige Fotografien zudem auch auf handgeschöpftem Papier dargestellt, was dem Motiv durch die unebene Oberfläche erneut eine neue Wirkungsebene verleiht.

Gegensätzlichkeit ist zwar oftmals negativ konnotiert, durch Sarai Ohiras Werke wird jedoch deutlich, dass dadurch vor allem eine „wunderschöne Harmonie“ entsteht.

Die Ausstellung ist noch bis zum 13.08.2019 um 19 Uhr geöffnet.

Anne-Marie Marker

12.588 km

Durch die Globalisierung ist die Welt ein Stück zusammengewachsen und Wege, die früher unendlich weit erschienen, können heute sowohl physisch, als auch virtuell mit nur geringem Aufwand erreicht werden. Eines hat sich jedoch nicht geändert, das Gefühl an einem Ort zu Hause zu sein. Dieser Ort muss nun aber eben nicht mehr zwangsläufig dem Geburtsort, oder dem Ort an dem man aufgewachsen ist, entsprechen. 12.588 km ist nicht nur die Entfernung der beiden Partnerstädte Köln und Kyoto, sondern auch der Titel der aktuellen Ausstellung in der Tenri-Kulturwerkstatt.

Die große Installation der Ausstellung stellt die Frage, wo sich eben diese Heimat befindet. Heutzutage kann dieser irgendwo auf der Welt sein, an einem Ort, vielleicht aber auch an mehreren oder durch Rastlosigkeit auch nirgendwo so richtig. Vielleicht ja in Köln, vielleicht auch in Kyoto – das sind die Partnerstädte, aus denen die Künstler der Ausstellung stammen.

Das Kölner Künstlerduo Maik und Dirk Löbbert spricht diese „Verortung“ mit ihrem Beitrag zur Installation in fast konkreter Weise an. Durch rote Kreise im Raum zeigen sie uns unseren Standpunkt, bringen uns dazu, uns bewusst im Raum zu orientieren. Jetzt ist unser Standpunkt meist ein wandernder Punkt auf einer digitalen Karte, wenn wir die Orientierung verloren haben und diese mithilfe von GPS-Diensten wiederfinden möchten. Früher brauchte es mehr Geschick und Vorstellungskraft, um den eigenen geografischen Standpunkt zu ermitteln. Bei unserem Standpunkt bezüglich gesellschaftlichen oder politischen Themen kann es sich mitunter ebenso schwierig gestalten, wie mit einer unhandlichen Landkarte.

Die Gesamt-Installation aus einer anderen Perspektive

Satomi Edo stammte aus Kyoto, wohnt aber nun schon so lange in Deutschland, als dass sie beide Orte als ihre Heimat bezeichnen möchte. In ihrem Teil der Installation verbindet sie kleine Raumgebilde aus Quadern aus Holzleisten miteinander im großen Raum. Die Holzkonstruktionen entsprechen den dreidimensionalen Umrissen jener Wohnungen und Häuser, die ihr bisher eine Heimat waren. Zudem bindet sie auch den Flügel der TKW in die Installation ein, wodurch eine Verbindung zwischen Köln und Kyoto geschaffen wird, da das Instrument für ihr Elternhaus in Kyoto stehen soll. Dort gab es ebenfalls ein Klavier, welches in Edos Kindheit eine zentrale Rolle spielte.

Neben der Installation sind weitere Werke der Künstler zu betrachten, wie Fotografien von Maik und Dirk Löbbert sowie geometrische Grafiken von Edo. Die geografische Entfernung von 12.588 km mag zwar enorm weit klingen, doch womöglich sind unsere Standpunkte in mancher Hinsicht gar nicht so weit voneinander entfernt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 29.05.2019 bei uns zu sehen. Immer von Dienstag – Samstag, 13:00-19:00 Uhr haben wir für Sie geöffnet.

Anne-Marie Marker

Die Farben und Formen der Natur

Ende März füllten die Objekte des japanischen Meisters des Webens und Färbens  Akihiko Izukura eine Woche lang unsere Räume am Chlodwigplatz. So fantastisch die runden Formen wirkten, sind sie dennoch aus natürlichen Materialien entstanden. Einige konnten sogar betreten werden und wurden so zu einem ganz besonderen Raumerlebnis im Raum.

Weiterlesen „Die Farben und Formen der Natur“

Innere Kraft – Ausdrucksformen des „Nichts“

Unsere Ausstellung im Juni vergangenen Jahres trug den sehr offenen Titel „Innere Kraft“. Mit „Innerer Kraft“ haben wir den japanischen Begriff „shizen“ übersetzt. Tatsächlich gibt es keine direkte Übersetzung des Worts. Meistens wird der Begriff als „Natur“ übersetzt, es sind jedoch weniger Pflanzen und Tiere gemeint, als die Essenz oder die Natur der Dinge. Also eine  tiefere, natürliche Ebene. Maler Kiyoshi Shiraishi geht davon aus, dass es etwas Natürliches gibt, das frei von kultureller Prägung in jeder menschlichen Seele vorhanden ist, ohne dass uns dies bewusst ist.  Er versucht dieses Natürliche aus sich sprechen zu lassen und damit Kunst zu schaffen. Es geht also um einen tieferen Teil der Seele, der hier zum Vorschein kommt.

Weiterlesen „Innere Kraft – Ausdrucksformen des „Nichts““

Anabasi – Bilder aus Parallelwelten

Zum Jahresanfang widmen wir uns einem zugegebenermaßen eher dunklen Thema: In diesem Monat möchten wir Bilder aus Parallelwelten zeigen. Wir kennen diese Denkansätze, es ist jedoch in unserer Zeit üblicher, von einer schlechten, verbesserungswürdigen Ausgangssituation auszugehen, als sich die schlimmeren Szenarien vorzustellen, wie das im Werk der italienischen Künstlerin Federica Gastaldon der Fall ist. Ein wichtiger Unterschied zwischen diesen Gedanken von Utopie – also einer schöneren Welt und Distopie – einer schlimmeren Welt, und dem Konzept dieser Ausstellung ist, dass die Künstlerin nicht in der Zukunft denkt, also wie sich unsere Welt noch entwickeln könnte, sondern von dem Punkt ausgeht, als unsere Welt entstanden ist: Unsere Grundvoraussetzungen hätten ganz anders sein können. Es hätten sich von da aus beliebig viele andere Welten entwickeln können – ganz anders, als wir unseren Lebensraum kennen. Der Titel der Ausstellung Anabasi  leitet sich von dem griechischen Begriff für „Hinaufmarsch“ ab und soll eben jene Reise der menschlichen Existenz ins Ungewisse beschreiben.

Weiterlesen „Anabasi – Bilder aus Parallelwelten“